Wussten Sie schon?

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Geschichte

Damals

Wer das erste Mal etwas von den vielseitigen und zeitgemäßen Wirkungen von Heilerden hört, könnte wirklich meinen, dass man sich Ihrer erst seit neuerer Zeit bedient. Doch weit gefehlt – denn Erde ist eines der ältesten Heilmittel überhaupt. So wussten schon die alten Ägypter, Hippokrates, als auch Felke, Just, Kneipp und Stumpf von der Kraft der heilenden Erde, und es ist erstaunlich, wie man schon damals die einzelnen Erden in ihrer Eigenart und Wirkungsweise gegeneinander abgegrenzt hat.

Bereits ca. 3000 v. Chr. benutzten die Ägypter Erde als Gegengift bei giftigen Bissen und Stichen sowie bei Vergiftungen. Auch frische Wunden, Geschwüre und Geschwülste behandelten sie damit, und zur Behandlung zahlreicher Hautkrankheiten griff man schon damals auf den Nilschlamm zurück. Selbst die Pharaonen wussten die therapeutische Wirkung zu schätzen und ließen sich Erde gegen Gliederschmerzen und Rheuma verabreichen. Griechen und Römer haben das übernommen. Teilweise wurden Heilerden teurer gehandelt als Gold.

Zu Zeiten des Hippokrates (berühmtester Arzt des Altertums) benutzte man verschiedene Erden (Eretria, Lamia, Kimolos) äußerlich als kühlendes Mittel, und Frauen wurde nach Geburten als Reinigungsmittel schwarze samische Erde (Insel Samos) mit Wasser zum Trinken gegeben. Hippokrates gilt als Begründer der Medizin als Wissenschaft. Der auf ihn zurückgehende „Eid des Hippokrates“ ist in seinem ethischen Gehalt heute noch maßgebend. In seiner Schrift über epidemische Krankheiten findet sich der Satz: „Die Natur ist der Arzt der Krankheit.“ Der Beachtung dieses „Selbstheilungsprinzips“ fühlen sich Heilpraktiker/innen bis in die heutige Zeit verpflichtet.

Sebastian Kneipp gehört zu den Männern, die der Erde ihre verdiente Wertschätzung wieder verschafften. Im Jahre 1821 wurde er im Dörfchen Stephansried als Sohn armer Webersleute geboren. Infolge großer Entbehrungen und Anstrengungen befiehl ihn ein Lungenleiden, das schließlich als unheilbar galt. Ihm gelang es jedoch seine Krankheit durch konsequente Anwendung kalten Wassers zu überwinden. So wurde er zum Priesterarzt, dessen segensreiche Tätigkeit zu sehr bekannt ist, als dass man sie hier eingehend schildern müsste.

In einem seiner Vorträge sagte der studierte Theologe: „Der allgütige Schöpfer hat in den unscheinbarsten Dingen, an welchen der moderne Mensch gleichgültig vorüber geht, und die er sogar verachtet, Heilmittel für Menschen und Tier geschaffen. Eines der vorzüglichsten Heilmittel ist der Lehm.“ Kneipp benutzte den Lehm sowohl für innerliche, als auch für die äußerliche Anwendung. Neben dickem Lehmbrei und -pulver kamen als neue Anwendungsformen das Lehmhemd sowie das Lehmwasser hinzu. Er bediente sich des Lehms bei den verschiedensten Krankheitsbildern: bei Hautausschlägen, bei Wunden, bei Halsentzündungen und auch bei Rippenfellentzündungen. Zur Behandlung von Herzklopfen wurden Lehmwasser-Auflagen angewendet, ebenso bei Blähungen. Sehr wirksam erwies sich der Lehm ebenfalls beim Stich von Bienen, Wespen und Hornissen. Zum Anrühren des Lehms verwendete Kneipp einfaches Wasser, in vielen Fällen aber auch Kräutersud, z.B. Arnika, Spitzwegerich, Tormentill und Zinnkraut – mit gutem Erfolg!

Dr. Julius Stumpf war es, der sich in unermüdlicher Arbeit und trotz vieler Widerstände für die Anerkennung der Erde als Heilmittel eingesetzt hat. Ausschlag gebend hierfür war sicherlich der nachhaltige Eindruck, den eine gerichtliche Ausgrabung einer seit 37 Monaten bestatteten weiblichen Leiche bei Stumpf hinterließ. Die Leiche war auch nach dieser langen Zeit in einem außerordentlich guten Zustand, was offenbar auf die Beschaffenheit des lehmigen Erdreichs zurückzuführen war. Stumpf kam zu der Ansicht, dass im Lehm das organische Leben sehr minimal oder überhaupt nicht möglich sein müsse und diese Erdart somit eine besonders zersetzungswidrige (antibakterielle) Eigenschaft besitze, was sich zur Wundheilung vortrefflich eigne. Schon bald boten sich ihm Gelegenheiten, diese Gedanken auch in der Praxis zu prüfen. So wurde seine Theorie durch die Heilung fast aussichtsloser Krankheitszustände vielfach bestätigt.

Nach seinen großartigen Erfolgen bei der äußerlichen Anwendung wagte sich Stumpf auch an die innerliche Verwendung. Erst als er an sich selbst und seiner 81jährigen Mutter die Wirkung probiert hatte, führte er dieses Mittel etwa im Jahre 1900 gegen Magen- und Darmstörungen in seiner Praxis ein. Als 1905 die Cholera asiatica in Westpreußen ausbrach, behandelte er dort mit Erlaubnis des preußischen Ministeriums die Kranken mittels Bolus alba. Bei Bolus alba handelte es sich um Kaolin (Porzellanerde), welches ein Kaliumsilikat mit dem Mineral Kaolinit ist, dass durch Erhitzung auf 150° C mögliche Infektionen durch Ton ausschloss. All diejenigen, denen das Mittel rechtzeitig einverleibt wurde, konnten gerettet werden. Auch an Diphtherie erkrankte Kinder behandelte er im Jahre 1908 damit erfolgreich. Im Anschluss an die Stumpfschen Beobachtungen wurden in der Freiburger Kinderklinik sämtliche Diphtheriefälle mit Bolus behandelt.

Auch Adolf Just gilt als der Pionier der Naturheilkunde. Trotz der vielen Erfolge, die Stumpf und andere Ärzte mit Bolus erzielten, war es letztendlich Just, der sich in Wort und Schrift tatkräftig für die Bedeutung der Heilerden einsetzte. Durch eifriges Nachdenken und Beobachten im Zuge der Selbsthilfe gegen ein quälendes Nervenleiden (mittels Kneippscher Wasseranwendungen) kam Just schon in jungen Jahren zur Ansicht, dass Erde unser wichtigstes Heilmittel ist.

Als er 1896 im Harz den Jungborn (eine Kuranstalt für naturgemäße Heilweise) gründete, wurde ihm nach einem Hundebiss schon bald die Gelegenheit geboten, Erde (Lehm) als Heilmittel an sich selbst auszuprobieren. Durch die Anwendung von Erdauflagen heilte die Wunde innerhalb von etwa zwei Wochen vollständig und narbenlos. Selbst der vom Arzt prophezeite Wundstarrkrampf blieb aus, denn Just hatte bereits erkannt, dass man nicht jede beliebige Erde verwenden darf. Für das beste hielt er milden Lehm, der aus größerer Tiefe stammt und somit praktisch steril sei.

Emanuel Felke war ein Pastor, der bereits durch sein Elternhaus geprägt einen Sinn für die Heilkunde entwickelte. Schon sein Vater, ein Dorfschullehrer, beschäftigte sich nebenbei gerne mit homöopathischen Fragen; seine Mutter war eine Pastorentochter. So werden schon in der Jugendzeit Unterhaltungen an das Ohr und in die Vorstellungswelt des Kindes gedrungen sein für die drei großen, sich berührenden und überschneidenden Bereiche, die später das Leben des Mannes erfüllten: Seelsorger, Naturarzt, Erzieher.

Kurz nach der Eröffnung des Jungborns durch Adolf Just besuchte Pfarrer Felke die Kuranstalt. Behandelte er auch bisher in seinem Pfarrhaus viele Patienten mit Homöopathie, so wendete er nun (nachdem er Justs Buch kannte) auch vielfach Lehmumschläge an und gründete später einen eigenen Jungborn in Bad Sobernheim. Durch den guten Erfolg stieg die Zahl der Patienten stetig an und Felke trug besonders viel zur Verbreitung der Lehmanwendung bei. Zur Felkekur seien selbst Gäste vom englischen oder russischen Hof gekommen. Die Kombination aus „Geistlicher“ und „Heilkundiger“ verlieh ihm schon schnell den Titel „Lehmpastor“.

Heute

In allen Kulturen auf der ganzen Welt begleitet Erde die Menschen. Heute entdecken die Menschen in Europa die heilende Kraft der Erde wieder neu.

Erdesser – auch Geophagen genannt – findet man sowohl im Tierreich, als auch bei den Menschen. Beim Menschen kann es sich zum einen um eine krankhafte Essgewohnheit handeln, doch das Essen von Lehm oder Erde wird unter bestimmten Umständen auch von einigen Naturvölkern praktiziert. Es dient in erster Linie der Entfernung von Giften aus der Nahrung, denn Erde bindet unerwünschte Begleitstoffe u.a. auch bestimmte giftige sekundäre Pflanzenstoffe, aus dem Speisebrei. Das Essen von Erde ist eine über den ganzen Erdball verbreitete Sitte und wird besonders in Südamerika, China und Indonesien geübt.

Einige Indianervölker Südamerikas essen beispielsweise während Hungersnöten an sich ungenießbare Kartoffelarten. Durch den gleichzeitigen Verzehr von Erde werden die in den Kartoffeln enthaltenen Giftstoffe unschädlich gemacht.

Nicht nur die Menschen, auch die Tiere kennen die verschiedenen Erden. So nutzen Elefanten sie beispielsweise als Schlammbäder, verschiedene Antilopenarten und Pekaris als Futterergänzung. Zu den geophagen Tieren zählt man unter anderem Regenwürmer, Doppelfüßler und Zweiflüglerlarven. Sie ernähren sich von Erde bzw. organisch angereichertem Mineralboden und können Tonmineralien im Darm aktivieren und Ton-Humus-Komplexe bilden, die ausgeschieden werden und die Bodenfruchtbarkeit verbessern.

Das Verzehren von Lehm und Erde – ist auch bei vielen Wirbeltieren, die sich von Samen, Blüten oder Früchten ernähren, gang und gäbe. Im südamerikanischen Amazonas-Gebiet wurden Affen, Tapire, Peccaries, Rotwild, Guans, Currassows und Chachalacas beim Lehmfressen beobachtet, in Zentralafrika auch Schimpansen, Berggorillas und Waldelefanten. Die Waldelefanten legen oft fußballfeldgroße Lichtungen auf lehmhaltigem Boden an und suchen diese Halden täglich zum Lehmkonsum auf. Papageien und andere Pflanzenfresser befreien ihre Nahrung durch das Essen von Erde teilweise von bitter schmeckenden oder giftigen Bestandteilen.

In der Naturheilkunde kennt man das Urelement Erde also schon seit der Antike - und Heilerde ist ein wahres Allroundtalent bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Sie beruhigt den Magen, saugt überschüssige Gallensäure sowie Giftstoffe aller Art auf. Außerdem hilft sie bei Hautproblemen und wird in der Körperpflege eingesetzt. Über die wohltuende Wirkung von Peloiden - so nennt man Fango, Moor, Schlamm und Heilerde - besteht in der Naturheilkunde kein Zweifel. Naturmediziner vertrauen bei rheumatischen Beschwerden schon seit langer Zeit auf die Tiefenwirkung von Heilerde. Sie regt den Stoffwechsel und den Heilungsprozess an. Als Wickel, Packung oder Auflage angewendet, wirkt Heilerde durchblutungsfördernd, schmerzlindernd und entzündungshemmend.

Bereits Hippokrates schrieb: „Die Natur ist der Arzt der Krankheit.“ Der Beachtung dieses „Selbstheilungsprinzips“ fühlen sich Heilpraktiker/innen bis in die heutige Zeit verpflichtet.