Damals
Dr. Julius Stumpf (1856-1932)
Dr. Julius Stumpf war es, der sich in unermüdlicher Arbeit und trotz vieler Widerstände für die Anerkennung der Erde als Heilmittel eingesetzt hat. Ausschlag gebend hierfür war sicherlich der nachhaltige Eindruck, den eine gerichtliche Ausgrabung einer seit 37 Monaten bestatteten weiblichen Leiche bei Stumpf hinterließ. Die Leiche war auch nach dieser langen Zeit in einem außerordentlich guten Zustand, was offenbar auf die Beschaffenheit des lehmigen Erdreichs zurückzuführen war. Stumpf kam zu der Ansicht, dass im Lehm das organische Leben sehr minimal oder überhaupt nicht möglich sein müsse und diese Erdart somit eine besonders zersetzungswidrige (antibakterielle) Eigenschaft besitze, was sich zur Wundheilung vortrefflich eigne. Schon bald boten sich ihm Gelegenheiten, diese Gedanken auch in der Praxis zu prüfen. So wurde seine Theorie durch die Heilung fast aussichtsloser Krankheitszustände vielfach bestätigt.
Nach seinen großartigen Erfolgen bei der äußerlichen Anwendung wagte sich Stumpf auch an die innerliche Verwendung. Erst als er an sich selbst und seiner 81jährigen Mutter die Wirkung probiert hatte, führte er dieses Mittel etwa im Jahre 1900 gegen Magen- und Darmstörungen in seiner Praxis ein. Als 1905 die Cholera asiatica in Westpreußen ausbrach, behandelte er dort mit Erlaubnis des preußischen Ministeriums die Kranken mittels Bolus alba. Bei Bolus alba handelte es sich um Kaolin (Porzellanerde), welches ein Kaliumsilikat mit dem Mineral Kaolinit ist, dass durch Erhitzung auf 150° C mögliche Infektionen durch Ton ausschloss. All diejenigen, denen das Mittel rechtzeitig einverleibt wurde, konnten gerettet werden. Auch an Diphtherie erkrankte Kinder behandelte er im Jahre 1908 damit erfolgreich. Im Anschluss an die Stumpfschen Beobachtungen wurden in der Freiburger Kinderklinik sämtliche Diphtheriefälle mit Bolus behandelt.




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